Stacks Image 583

Technische Infos in Blog-Form
Klicken Sie auf die Überschrift, um Beiträge zu kommentieren

Das Peugeot-Tandem ...

… ist jetzt fahrbereit und läuft wirklich toll. Bert hat es überholt und geschmiert, merci dafür!

Tausend Dank noch einmal an Michael, den Spender!

Liebe ABC-Mitglieder, wer einmal Lust auf eine Tandem-Tour haben sollte, meldet sich einfach (bei Bert).

Sommerurlaub, eigentlich ohne Fahrrad

Urlaub ohne ein Gewässer in der Nähe geht für meine Frau Christine und mich nicht. Für den vergangenen Sommerurlaub gab es die Idee, mit einem Containerschiff die Weltmeere zu bereisen. Dies ist organisatorisch nicht ganz einfach, da der genaue Abfahrtstag erst kurzfristig feststeht. Christine gab bei der Planung jedoch nicht so schnell auf. Als Ergebnis ihrer Bemühungen, packten wir an einem Freitag im Juni unsere Seesäcke und fuhren mit dem Auto nach Duisburg-Ruhrort. Dort bestiegen wir das Binnenschiff „Theodela“. Kaum an Bord, ging es auch schon los. Mit vielen Containern an Deck. Außer uns waren der belgische Eigner, seine etwas jüngere Freundin, der 2. Kapitän sowie ein tschechischer Matrose mit an Bord. Vorbei an Stahlwerken, einem Freizeitpark an einem nie in Betrieb gegangenen Kernkraftwerk und jede Menge Natur, ging es Richtung Rotterdam. Zwischenstopp war Nijmegen (dt. Nimwegen). Zwei Container löschen, einen Container laden. Dann ging es auch schon weiter.

Wie fast jeden Abend, wurden wir irgendwann in die Eignerkabine geladen. Zum „Kapitänsdinner“. Statt zünftiger Uniform, war unser Kapitän meistens nur mit Shorts, und wenn wir Glück hatten mit T-Shirt, bekleidet. Diese Bekleidungsordnung hatten wir auch erwartet. Bis zum Einbruch der Dunkelheit, saßen wir dann noch ein bischen im Fahrstand und schauten übers Land. Da der Rhein Hochwasser führte, konnten wir besonders weit sehen. Als der 2. Kapitän den Fernseher zur Ablenkung, und damit er nachts nicht einschläft, einschaltete, gingen wir in unsere Kabine. Obwohl  sich diese direkt über Maschine befand, konnten immer gut schlafen. Wach wurden wir nur in dem Augenblick, wenn sich die Drehzahl änderte. Dies war um ca. 03:30 Uhr am Samstag der Fall. Das Schiff lief im Hafen von Rotterdam ein. Wir drehten uns aber um und schliefen noch weiter bis zum Frühstück.

Nach dem Frühstück rief uns der Eigner ein Wassertaxi, welches uns recht schnell ins Zentrum brachte. Wir hatten dann ein paar Stunden Zeit, uns die Gegend um den alten Hafen anzusehen. Vor allem die Architektur fanden wir cool, wie z. B. die Häuser, deren Räume auf der Spitze stehen.

Nach rund 6 Stunden rief der Kapitän an um uns mitzuteilen, dass er uns in der Stadt mit dem Schiff abholen würde. Eine halbe Stunde später tauchte er mit seinem 110 m langen Schiff auf, legte kurz an und sammelte uns wieder ein.

Dann ging es wieder über Nijmegen nach Duisburg. Dort kamen wir gegen frühen Sonntagabend an. Mittlerweile hatten sich schon ein paar geschriebene Postkarten angesammelt, die wir einstecken wollten. Auf der Suche nach einem Briefkasten, gerieten wir noch in die letzten Ausläufer des 300. Hafengeburtstags. Die Polizei hatte gerade eine Gruppe reisender Taschendiebe eingekreist, die Aussteller bauten angesichts eines aufziehenden Unwetters ihre Buden ab, der Wind frischte auf. Aber ein frisch gezapftes Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot gab es trotzdem noch (an Bord stand belgisches Kirschbier im Kühlschrank). Auf dem Rückweg entdeckte ich ein 50er-Jahre-NSU-Damenfahrrad mit auffälligen Packtaschen, welches wir noch mal wiedersehen sollten.

Irgendwann ging es wieder los. Nijmegen – Rotterdam – Nimjegen – Duisburg. Auf der Rückfahrt von Rotterdam mussten wir nie fragen, woraus unsere Fracht besteht. Wir rochen es: Einige Container waren mit Hausmüll aus England gefüllt. Der wird dann irgendwo im Ruhrpott verbrannt. Zurück in Duisburg (Mittwoch), mussten wir uns auf die Suche nach neuen Postkarten machen. Den Briefkasten mussten wir nicht suchen, den kannten wir ja bereits von Sonntag. Im „Zentrum“ von Ruhrort sahen wir eine Trinkhalle.

Wir näherten uns, da außen ein kleines Sortiment von Postkarten hing.

“Sucht ihr etwas?“ Die beiden Betreiberinnen der Trinkhalle (Britta und Silke), lässig an einen Tisch gelehnt, erkannten unsere Situation. 10 Postkarten und 2 Tassen Kaffee später, standen wir dann in ihrem Laden für Sonnenschutz, Kleinmöbel und Fahrradpacktaschen. Natürlich stand auch das NSU-Dienstfahrrad im Laden. Schnell kamen wir auf das Thema „Fahrrad“ zu sprechen. In einem Nebensatz fragte mich Britta, ob ich wohl Interesse an einem Rennrad hätte. Meine angespannte Platzsituation zu Hause bedenkend, murmelte ich so etwas wie „vielleicht“. Ich ging aber nicht näher darauf ein. Sehr zu meiner Verwunderung, brachte Christine das Gespräch noch mal auf das Rennrad. Da sich Britta auch nicht ganz sicher war, ob sie das Rad abgeben wollte, schoben wir die Entscheidung bis Freitag auf.

Wir gingen also wieder an Bord, fuhren über Nijmegen nach Rotterdam. Um 02:30 Uhr ließen wir uns vom 2. Kapitän wecken, um mal nachts die Einfahrt nach Rotterdam zu erleben. Und der Kapitän war über den Besuch auf der Brücke auch ganz froh. Er konnte nämlich nicht das Fernsehprogramm verfolgen. Der Eigner wollte in den Urlaub fliegen und drängte darauf, die Strecke möglichst schnell zurückzulegen. Und bei der Strömung des Rheins und dem Gegenverkehr, musste sich der 2. Kapitän ausnahmsweise mal auf das Steuern des Schiffes konzentrieren. Wie wir mehrfach beobachten konnten, werden auch „alte Hasen“ in manchen Situationen (z.B. An- und ablegen bei unkalkulierbaren Strömungsverhältnissen in Verbindung mit ebenfalls an- und ablegenden Schiffen in der Nähe etc.) nervös. Gegen Mittag brachen wir wieder auf. Duisburg, natürlich auch wieder mit Zwischenhalt in Nijmegen, erreichten wir in den frühen Freitagmorgenstunden. Da der Eigner mit seiner Freundin (sie bekochte uns in der letzten Woche) bereits auf dem Weg nach Budapest waren, frühstückten wir auf der Sommerterrasse der örtlichen ARAL-Tankstelle. Mit Blick auf den alten Hafen. Im Anschluss ging es wieder zur Trinkhalle von Silke und Britta. Bei einer Tasse Kaffee wurde noch mal das Thema Fahrrad angesprochen. Eine Besichtigung in einer Hinterhofgarage folgte. Dort stand ein 90er-Jahre Peugeot-Fahrrad in meiner Größe. Die Probefahrt verlief erfolgreich. Aber es gab einen Haken: Wenn ich dieses Rad haben wollte, musste ich ein baugleiches Rad auch noch mitnehmen! Da war es wieder, das Platzproblem. Es fing aber schon bei unserem Auto an. Während ich das Rad Probe fuhr, deckte sich Christine auf dem Markt mit mehreren größeren Pflanzen ein. So standen wir, ich konnte letztlich nicht „nein“ sagen, vor unserem Kleinwagen und überlegten, wie wir alles verstauen konnten. Klappte dann irgendwie. Und ein Platz in der Wohnung, zumindest für ein Rad, fand sich auch noch.

Carsten K.

Fotos Kaisergalerie

Anlässlich der Fahrrad-Ausstellung in der Kaisergalerie wurden drei der dort gezeigten Räder ein wenig in Szene gesetzt. Es handelt sich um ein Diamant-Sportrad “68″ (1940), ein Rabeneick-Damenrad (1951) und ein Bonanza-Rad (Anfang 70er).

image

image


image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

Velo Classico 2016

Am 17./18. September fand die Velo Classico in Ludwigslust statt. Nico machte mit Bert und Andreas den ABC-Stand. Aber seht selbst …














Altonaer Bicycle Days 2016 - Bericht


Am 28./29. Mai fanden zum zweiten Mal unsere “Altonaer Bicycle Days” im HausDrei und im angrenzenden August-Lütgens-Park in Altona statt. 

image

Der Ausstellungsbereich war üppig bemessen - im Park standen Rennräder, Randonneure, Low Rider, etc. Etliche Besucher/innen kamen mit ihren Rädern vorbei und vergrößerten so die Ausstellung.

image

image

image

image

Am Samstag fand vor dem HausDrei der Fahrrad-Flohmarkt statt, der wie immer gut besucht war.

image

image

In unserer “Schatzkammer” im 1.Stock präsentierten wir Exponate zum Thema “Fahrrad und Arbeit” mit drei Posträdern, einem Schornsteinfegerrad, Lastenrad, Milchkannenfahrrad, Fixie Kurierrad…

image

image

image

image

image

image

Den zweiten Schwerpunkt der Ausstellung stellte “Frankreich” und damit eines der klassischen Fahrradländer dar. Es waren französische Räder aus mehreren Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts zu sehen.

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

Und dann geschah etwas, das uns erstmal sprachlos machte: gegen 14 Uhr erschien das Ehepaar Zingler mit einer unscheinbaren Plastiktüte, in der sich das verschollen geglaubte Banner des Altonaer Bicycle-Clubs befand, wie man sie auf dem Bild des Vorstands oben auf unserer Startseite sehen kann.

Es handelt sich um genau dieses Banner, also das Original von 1889 mit Bambusstab, den man in vier Teile zerlegen kann, gravierten Plaketten von Ereignissen aus dem Vereinsleben, zwei kleinen Bronzeadlern und allem historistischem Zierrat, der damals en vogue war … Ein wahrhaftiges Stück Fahrradgeschichte, das sich nun in unserer Sammlung befindet (noch einmal tausend Dank dafür an das Ehepaar Zingler!). 

image

image

Ganz zufällig war das Fernsehen gerade da.

image

Dieses spektakuläre Highlight ließ sich natürlich nicht mehr toppen - jedenfalls nicht vom Sonntag, der leider etwas verregnet und deshalb nicht so gut besucht wie der Vortag war. Der guten Stimmung tat dies aber keinen Abbruch.



image

Erstmals erblickte auch das ABC-Tandem aus dem Hause Peugeot das Licht der Öffentlichkeit. (Vielen Dank noch einmal an Michael für diese tolle Spende!).

Uns haben die “Altonaer Bicycle Days” wieder große Freude bereitet - den Besucherinnen und Besuchern hoffentlich ebenso. Im kommenden Jahr findet die nächste Ausgabe übrigens am 20./21. Mai statt … wir hoffen wir sehen uns dann bei angenehm frühlingshaftem Wetter im und am HausDrei.

Altonaer Bicycle Days 2015 - Bericht

Eines Tages im Jahr 2014 sprach Basti von einer Fahrradausstellung im Park irgendwo in den Vereinigten Staaten. Das klang gut und sah sehr gut aus. Vielleicht könnten wir ja auch … So sprachen wir das HausDrei in Altona an und fragten nach, ob wir in Kooperation mit Ihnen so eine Ausstellung durchführen könnten. Wir durften und legten den Termin in die Mitte Mai, der Fahrrad-Flohmarkt sollte an beiden Tagen zeitgleich stattfinden.

Riesiges Glück hatten wir mit dem Wetter am 23. und 24. Mai, denn der Regen hörte gerade noch rechtzeitig auf. So konnten in Ruhe die Räder im Park besichtigt werden.

image

image

Für ein wenig Spaß sorgte auch die Rikscha.


image

Unsere “Schatzkammer” befand sich im Saal im HausDrei. Hier zeigten wir historische Fahrräder, Fahnen und andere Exponate, die wie die von Richard Schulz und Guschi Köping häufig einen Hamburg-Bezug hatten.

image

image

image

image

image

image

Am Sonntag konnte zudem eine Radball-Demonstration und eine Vorführung auf dem Kunstrad bestaunt werden, was beides sehr gut ankam.

Kurzum: es war eine große Freude, die kleine Ausstellung für die interessierte Öffentlichkeit zusammengestellt zu haben, ganz ohne Eintritt versteht sich. 

Ein ganz großes Dankeschön an das HausDrei und vor allem Anja! Vielen Dank auch an die vielen Besucherinnen und Besucher und natürlich auch an die Helfer/innen vom ABC. Recht schnell beschlossen wir, die “Altonaer Bicycle Days” jedes Jahr durchzuführen. 

image

Fotos: Peter Rüssmann

Die Presse berichtete auch: Velophil (ZEIT Online) / Hamburger Abendblatt  

Maifest Kaltehofe (Fotos)

Vergangenen Sonntag (1. Mai) waren wir auf dem Maifest der Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe. Danke an Antonia für die Einladung. Hier seht Ihr ein paar Fotos …






Berliner Fahrradschau 2016

Eingebettet in die Berlin Bicycle Week, fand vom 18.03. - 20.03.2016 die Berliner Fahrradschau in den Hallen der STATION-Berlin (ehemalige Posthallen) statt. Und dies war ein guter Grund, mal wieder in die Hauptstadt zu fahren.

image

Um zu verdeutlichen, was die Berliner Fahrradschau ist, möchte ich das Programmheft zitieren:

Das Herzstück der Berlin Bicycle Week

Mit ihrem zeitgemäßen Kurator-Konzept, nonchalanter Festival-Atmosphäre, trendigen Bikes vom Start-Up-Brand bis zum Global Player, stilvoller Fahrradmode, Accessoires und Kult-Events ist die BFS der unabhängige und authentische Hotspot der Fahrradkultur.

Mit anderen Worten: Ich war eigentlich nicht Bestandteil der Zielgruppe dieser Messe, was ich jedoch schon vom letzten Besuch 2015 wusste. Und das Besucherpaar vor mir an der Kasse diskutierte ja auch über einen Sonderpreis für Senioren, der aber auf Grund des (vermutlich) geringen Zulauf dieser Altersklasse nicht im Kassensystem vorgesehen war.

Die Hallen unterteilten sich grob in folgende Bereiche:

In dem zentralen Bereich waren Fahrradhersteller, Rahmenbauer und Zubehör untergebracht. Komischerweise wurde hier ein Ferrari für EUR 250.000,00 angeboten. Auf einer Fahrradmesse! Hier stellte auch ein schwedischer Hersteller seine Hochrad-Nachbauten aus, die Samstag auch auf dem Tempelhofer Feld zu einem Hochradrennen antraten.

image

Außerdem konnte man hier Fahrräder mit Holzrahmen (gab es von verschiedenen Anbietern) entdecken.

image

Im Nachbarbereich lag der Schwerpunkt auf E-Mobility, Lastenräder und Reisen. Im ersten Stock war Kinderbespaßung mit Laufradrennen, Trial und Ruhezonen für die Eltern. Da es hier nicht so quirlig war, legte ich dort mal eine Kaffeepause ein.

Ein weiterer Bereich deckte Urban Lifestyle und Velo Couture ab. Hier gab es trendige Klamotten, den Gin-Ausschank und alte Stahlrennräder. Außerdem stieß ich auf den Stand des belgischen Fahrradherstellers, der mein Lastenfahrrad geliefert hat. In Berlin stellte er eine E-Bike-Studie vor, die meinem Fahrradhändler (er ist die Hamburger Vertretung dieser Marke) nicht gefallen wird. Dieser hat irgendwie eine generelle Abneigung gegen E-Bikes. Er versucht schon seit Monaten, mir dieses Fahrrad ohne Motor, dafür aber mit 2-Gang-Automatik zu verkaufen….

image

Mein Lieblingsbereich war jedoch die EVENT AREA. Und speziell das Bike Polo fand ich sehr spannend. Die Spiele waren auch der Grund dafür, dass ich länger auf der Messe blieb als gedacht.

image

Wenn die Bike-Polo-Teams pausierten, nutzen BMX- und Kunstrad-Fahrer den Platz.

Nebenan waren verschiedene Bereiche für Trial-Fahrer aufgebaut. Ich hätte nicht gedacht, dass man  bergziegenartig mit dem Rad „Felsformationen“ hochklettern könnte.

image

Nach ca. 6 Stunden machte ich mich mit meinem Klapprad wieder auf den Weg in Richtung Unterkunft. Mehr zufällig entdeckte ich dabei einen neu angelegten Fahrradweg, der mich schneller als gedacht ans Ziel brachte.


image

Hamburg, den 27.3.2016 / Carsten

Bling-Bling oder Perlen im Netz

Ich durchforstete mal wieder unseren Lieblings-online-Marktplatz nach brauchbaren Fahrradteilen und stieß auf ein schlecht gemachtes Angebot mit drei nichts sagenden Fotos eines ziemlich runtergerockten Rennrads.

Der Rahmen war teillackiert und die Fotos ließen etwas goldenes erahnen. Es gab keine brauchbaren Angaben, aber eine Handy-Nummer. Der Anruf war mehr als enttäuschend, da der Anbieter Hardcore-Schwäbisch sprach, keine Ahnung hatte und auch sonst nicht gewillt war, sein Idiom zu zügeln - also blieb mir nichts weiter übrig, als das Ende der Auktion abzuwarten und siehe da, ich bekam den Zuschlag.

Das Rad traf ein und sah genauso schlimm aus wie auf den Bildern. Ich habe leider keins vom Komplettrad, aber die Einzelteile sprechen für sich.

Wie man schon sehen kann: der Rahmen ist komplett untervegoldet, also verchromt und mit einer dünnen Goldauflage versehen. Der Hersteller des Rahmens war mir ein Rätsel. Als ich aber mit einem schmutzigen Lappen über das Sitzrohr wischte, wurde ein Schriftzug erkennbar, wo mal ein Name aufgeklebt war.

Schwer zu fotografieren, aber da stand “AL HENRY”. Recherche im Netz ergab, dass AL HENRY ein Fahrradladen auf der Schwäbischen Alb war, der in den 90er Jahren Rahmen aus Italien bezog und mit eigenem Logo verkaufte und dieser hier ist von Cratoni aus Columbus SLX Rohren.

Den Rahmen zu entlacken, erforderte natürlich eine schonende Lösemittelmethode und ich möchte hier keine Schleichwerbung machen, aber “Lack ab” von Molto ist das Mittel der Wahl. Eine grau-weiße Pampe, die besser wirkt, wenn man die Einwirkzeit mit Alufolie verlängert. Das Ergebnis ist sensationell: wenn man die Alufolie über Nacht drauflässt und dann entfernt bleibt die Lackschicht vollständig daran haften.

Was zum Vorschein kam war allerdings schon schön.

Und das Endergebnis im Sonnenlicht erst.

Der Rahmen von Cratoni mit innen verlegten Zügen, interessanter Ansatz der Hinterbaustreben, extrem kurzer Radstand mit eingedelltem Sitzrohr, Aero-Gabelkopf mit Columbus-Gravur - mit einem Wort: ein Traum.

Nachdem die Teile gereinigt und ergänzt waren…

… hier das Ergebnis:

Ach ja, gold-eloxierte Pelissier-Hochflanschnaben und eine vergoldeten Flaschenhalter hat es auch.

Die Summe der Teile I

image

image

image

image

image

Wir haben uns heute einmal um unser “1908er”, das Herrenrad noch unbekannter Marke vermutlich um 1910, gekümmert und auseinander gebaut. Jetzt muss nur noch das Tretlager gereinigt und gefettet, passende Pedale gefunden werden … und dann wird aus der Summe der Teile wieder ein Fahrrad, das durch Hamburg fahren kann. 

Hamburg, den 10.12.2015 / Lars A.


Diamant Modell 68 "Das leichte Sport-Rad"

Vor 2 Jahren erreichte mich die Nachricht, dass in Volksdorf ein Fahrradhändler sein Geschäft aufgibt und alle Restbestände verkauft werden sollen. Im Keller des Ladens stand ein mit Ofenbronze lackiertes Rad (inkl. lackierter Reifen), welches seine besten Tage lange hinter sich hatte. Es diente die letzten Jahre als sog. “Gutschein-Fahrrad” und wurde Kunden symbolisch z.B. unter den Weihnachtsbaum gestellt, wenn sich die Lieferung des neu bestellten Fahrrads verzögerte. Nachdem ich Herrn Prager versprochen hatte, mich gut um das Rad zu kümmern, durfte ich es mitnehmen. So fing die Geschichte an….

image

unter der dicken Bronzeschicht kommen Reste des wunderschönen hellblau/grauen Original-Lacks zum Vorschein…

image

Die Diamantwerke hatten ihre Rahmen doch tatsächlich vor dem Lackieren grundiert, was in den 40er Jahren nicht häufig der Fall war. Bei vielen anderen Herstellern wurde der Lack direkt auf den blanken Stahl lackiert, was natürlich nicht besonders haltbar war.

image

Am Unterrohr erscheinen Reste vom alten Schriftzug…..  Leider ist der Lack zu schlecht vom Zustand um ihn zu erhalten. Schade, also heißt es vorsichtig den Lack per Hand abzuschleifen, und dann mit einer neuen Lackierung zu starten.

image

Der Stahl ist in erstaunlich gutem Zustand. Dank der wiederentdeckten Rahmennummer weiß ich jetzt, dass das Rad 1940 die Diamant-Werke in Siegmar-Schönau (Sachsen) verlassen hatte.

image

Frisch grundiert…

image

Die Gabel ist vom Verchromen zurück.

image

Jetzt sieht der Gabelkopf wieder aus wie neu :-)) Vor dem Lackieren wird der untere Teil der Gabel leicht angeschliffen.

image

Mein Lackierermeister Herr Jensen aus Steilshoop hat den originalen Farbton genau getroffen. “Vielen Dank Herr Jensen!”

Dann wird der Strahlenkopf abgeklebt, und es folgt die Lackierung in hell/Elfenbein.

image

Hier hat Niko Boer mit seiner Airbrush-Pistole ganze Arbeit geleistet. Danke Niko, für deine Geduld mit mir ;-)).

image

Langsam nimmt alles wieder Form an, die neuen Schriftzüge gibt es zum Glück als Reproduktion…

image

Gestern kam endlich das lang ersehnte Paket aus Ghisallo in Italien. Ich wollte immer schon ein Rad mit Holzfelgen fahren, jetzt endlich geht es los.

image

Danke Ulrich, dass du wieder mal die “Feinzentrierung” übernommen hast, nächstes Mal mache ich das selbst, versprochen ;-)).

image

Jetzt kann die Technik überholt werden.

image

Das Tretlager “bekommt sein Fett weg”

image

Einsetzen des Tretlagers mit Helmöler, auch hier immer schön viel fetten. Der Rest kommt in die Haare :-))

image

Eine neue Kette gibt es natürlich auch. Hier kommt eine Helmburg-Kette (new old stock) zum Einsatz.

image

So langsam wird ein Fahrrad draus.

image

Der Vorderrad-Stempelbremse (im Volksmund auch verächtlich Kackeschieber genannt) fehlte die Schraube mit Bowdenzug-Führung. Also fix eine passende Schraube dafür angepasst.

image

Den passenden Lenker hab ich bei Uwe Just “ausgegraben”. Das Fahrrad, von dem er stammte, muß über 70 Jahre alt gewesen sein. Woher ich das weiß? Ganz einfach: Das ließ sich an den einzelnen Lagen des Lenkerbands ablesen, für jedes Jahr eine Lage Lenkerband……                                                                                                 Und jetzt, einfach ein paar Stimmungsbilder .

image

 "Art Deco" Steuerkopfschild

image

 Gefiederter Strahlenkopf mit Holzfelgen

image

Dank auch noch mal an Frank für die Erstellung der Decals am PC.

image

Renn-Torpedo mit Flügelmuttern

image

 Übersetzung 48/16

image

Et voila. Bei Zeiten mache ich noch ein Bild vor weißem Hintergrund. Kurz nochmal die Daten: Hersteller: Diamant, Modell 68, “das leichte Sportrad”, Baujahr 1940, gemuffter Rahmen aus Nahtlos gezogenem Chrom/Nickel-Stahlrohr, Felgen aus Buchenholz Ghisallo/Italien, Bereifung Draht 700x28C, Sattel Brooks B 17 selected mit handgehämmerten Kupfernieten, Renntorpedo mit Rücktrittbremse von 1940, Helmburg-Kette, Rennradlenker mit weißem Baumwoll-Lenkerband und Kork-Endstopfen, Vorbau aus Stahl verchromt, Übersetzung 48/16. Fachleute wissen, dass dieses Rad ursprünglich mit 26" Bereifung das Werk verlassen hat. Viele Fahrer hatten es sich jedoch schon seinerzeit auf 28" Bereifung umgerüstet, und ich finde es durchaus “zeitgemäß” es heute wieder so zu fahren. Vielen Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten und besonders an meine Frau für ihre endlose Geduld….!                                                                                                                                                                                                                                          Hamburg, den 29.11.2015 / Nico

Peugeot Tourenrad von 1928

Dieses gut erhaltene Herrenrad von Peugeot stammt laut Rahmennummer wohl ca. aus dem Jahr 1928.

Neben dem emaillierten Firmenschild am Steuerrohr mit dem Peugeot-Löwen findet sich dieser auch im Kettenblatt wieder.

Das Rad ist mit voll funktionsfähigen Gestängebremsen ausgestattet, die von innen in die Felge greifen. Um ein Laufrad auszubauen, müssen daher die Bremsschenkel aus ihrer Führung an den Gabelscheiden bzw. Hinterbaustreben ausgehakt werden - eine simple Lösung, die kein Werkzeug braucht. Das Rad hat daher einen Freilauf ohne Rücktrittbremse.

Ob die Lichtanlage aus dem Herstellungsjahr stammt oder nachgerüstet wurde, lässt sich schwer sagen. Vom Art-Deco-Design der Lampe her stammt sie jedenfalls aus der Zeit. Sie ist funktionsfähig: der Dynamo liefert Strom und im Frontscheinwerfer ist ein Batteriefach, so dass man mittels Schalter Abblend- und Standlicht anwählen kann. Das Rücklicht  leuchtet mit facettiertem echten Glas.

Die Alltagstauglichkeit wird durch einen gefederten Ledersattel, zeitgemäße Schutzbleche mit Spritzschutz, Luftpumpe und Werkzeugtasche komplettiert.

Zu der merkwürdigen Farbe ist zu sagen, dass das Rad mehr oder weniger vollständig durch einen Vorbesitzer entlackt und zum Schutz gegen Rost mit einem matten Klarlack versiegelt wurde. Die Farbe des Originallacks ist an einigen Stellen noch zu sehen und ist am besten mit “celeste” beschrieben, dieses Mintgrün wie man es von Bianchi-Rennrädern kennt. Komplett in dieser Farbe muss es fabrikneu ein echter Hingucker gewesen sein.

Aber auch heute noch macht es Spaß damit zu fahren und es erregt Aufmerksamkeit - besonders auf Veranstaltungen wie den Cyclassics.

Hamburg, 29.09.2015

Dreirad

image

Neu in unserer Sammlung ist dieses Dreirad. Gerd schenkte es dem ABC, vielen Dank dafür noch einmal an dieser Stelle! Es ist mittlerweile wieder fahrbereit - dank Anton - und ist in einem Fahrradmuseum im südlichen Schleswig-Holstein deponiert (vielleicht erkennt jemand den Hintergrund …).

Das Rad ist historisch interessant. Es stammt aus DDR-Zeiten und ist ein handwerklich gut gemachter Eigenbau. Das “Thema” des Rades ist: wie ersetze ich mit einem Rad ein Auto und bekomme ein wenig mehr Komfort? Dies resultierte in der entspannten Sitzposition, den Transportmöglichkeiten (für Kind & Kegel), und vermutlich einem Wetterschutz (es gab wohl einen einhängbaren Regenschutz). Auch die Blinkeranlage erinnert an ein Auto. Über den Besitzer ist bislang leider nichts bekannt. Das Rad wurde nach der Wende für einen symbolischen Betrag auf einer bekannten Auktionsbörse im Internet ersteigert. Vielleicht weiß ja zufällig jemand etwas über das markante Gefährt?

image

Es macht auf jeden Fall eine Menge Spaß auf dem Rad zu fahren. Wir werden es bei Gelegenheit einmal “ausführen” und für Probefahrten zur Verfügung stellen - beispielsweise im Mai 2016 in Altona auf den nächsten Bicycle Days.

Hamburg, den 6. September 2015 / Lars A.

Peugeot-Tandem

image

Dieses Tandem vermachte uns heute Michael, ganz herzlichen Dank dafür! Wir werden es überholen und die Lager fetten, damit auf zukünftigen Club-Ausfahrten auch ein Zweier-Team an den Start gehen kann. Wir freuen uns schon und werden berichten.

image
image


[Edit, 16.9.2015]: Wir haben uns um das Tandem gestern Abend einmal etwas gekümmert.

image

Das Rad hat sehr lange gestanden (20 Jahre?) – die Reifen haben sich von alleine aufgelöst.

image

Nach der Reinigung strahlen der perlmuttfarbene Lack und die Schutzblecke wieder.

image

Einige Decals waren teilweise verdeckt, jetzt können sie sich wieder besser entfalten.

image

Das Tandem wird ein echtes Schmuckstück werden und soll bald wieder fahrbereit sein. Wir werden dann noch einmal berichten …

image

Pedersen

image

Der Däne MikaelPedersen (1855-1929) war auf den Knochen schüttelnden Straßen mit dem Sitzkomfort damaliger Fahrräder nicht gerade zufrieden. Darin dürfte wohl der Antrieb gelegen haben, welcher zu einer eigenwilligen Entwicklung führte. Abweichend von der üblichen Rahmengeometrie baute Pedersen einen Rahmen, der quasi aus aneinander gefügten Dreiecken bestand. Besonders herausragend war die Sattelkonstruktion. Aufgehängt wie eine Hängematte verfügt der Sattel über schwingende und dämpfende Eigenschaften.

Das Rad wurde in England (1893) und in Deutschland (1894) als Patent angemeldet. Die Räder, welche zwischen 1893 und ca. 1920 in Pedersens Wohnort Dursley (Gloucestershire, England) gefertigt wurden, wurden auch Dursley-Pedersens genannt.

Als der dänische Schmied Jesper Sölling  Anfang der 1980er Jahre im Freistaat Christiania die Fertigung aufnahm, wurde er ob seines wirtschaftlichen Erfolges von der etwas speziellen Kopenhagener Gemeinde ‚geächtet‘. Seitdem baut Jesper Sölling die Räder in Ebeltoft.

Seit Mitte der 1980er Jahre baut auch Michael Kemper in Erkelenz Pedersen Fahrräder.

Das Foto zeigt ein Pedersen Tandem mit Holzfelgen. Gaiole, L’Eroica 2013

Hamburg, den 1. März 2015 / Andreas T.

StadtRAD Hamburg - eine ästhetische und philosophische Hetzschrift

Von Lars “Landrad” Amenda

Im Juli 2011 wurde das StadtRAD Hamburg eingeführt und erfreut sich einer ungebrochenen und immer weiter steigenden Beliebtheit bei der Hamburger Bevölkerung und Besucherinnen und Besuchern. Aktuell existieren 131 Leihstationen mit insgesamt 1.650 Rädern, wie einem bekannten Internet-Lexikon zu entnehmen ist. Weitere Stationen sind geplant, nicht zuletzt, weil sich die Standorte in der Innenstadt ballen und in den Außenbezirken deutlicher seltener anzutreffen sind. „Gefühlt“ sind deshalb im Stadtkern auch deutlich mehr Räder unterwegs als es die Ziffer 1.650 vermuten lässt; zwar ist es – noch – keine Invasion der StadtRÄDER, aber es ist wohl nicht ganz falsch zu behaupten, dass die, wie soll ich es sagen, „markanten“ Leihräder das Hamburger Stadtgebiet mittlerweile in gewissem Maße mitprägen. Auch wenn ich persönlich diesbezüglich über keinerlei eigene Erfahrungen verfüge, so liegen die Vorteile und der große Reiz des Ausleihsystems auf der Hand, habe ich mir sagen lassen. Man kann per Smartphone die nächste Radstation ausfindig machen, sich dort einloggen, eine halbe Stunde kostenfrei zum Friseur oder zu einer in der Nähe gelegenen Pommesbude fahren, stellt das dann das rote Gefährt wieder an einer anderen Station ab, um sich dann den eigenen Geschäften, der professionellen Haarpflege oder der mehr oder minder gehobenen Schnellküche zu widmen. Nach der in der Regel kurzen Fahrt mit dem rund 20 Kilogramm schweren Ferrari-roten „Renner“ entledigt sich der User dann ebendiesem wie einem gesichts- und geschichtslosen Einkaufswagen und übergibt ihm seinen weiteren Schicksal in der Station.

image                                                 Das gemeine StadtRAD

So weit, so gut. Pragmatismus mag durchaus seine Berechtigung haben. Ich bin teilweise selbst ein glühender Anhänger pragmatischer Lösungen. So finde ich beispielsweise Bierdosen recht praktisch. Aber: In Bezug auf Fahrräder und das Fahrradfahren kann und darf der Primat des Praktischen nicht der alles bestimmende Faktor sein. Die per eigener Muskelkraft erzeugte Mobilität auf dem Fahrrad ist zwar in der Tat äußerst praktisch, preisgünstig und gesund, wie man mittlerweile überall, etwa in der Apotheken-Rundschau lesen kann; sie ist aber auch ein ästhetischer Gewinn, der seit dem späten 19. Jahrhundert über Jahrzehnte geformt und gefestigt wurde und der das Fahren erst zum vollendeten Genuss macht. Dabei geht es beileibe nicht nur um eine möglichst hohe Effizienz, wie sie Rennmaschinen bereits seit der Zeit um 1900 angestrebt haben. Die Schönheit der Form eines Diamant-Rahmens, die harmonische Einfachheit klassischer Fahrräder erwärmt das Herz des Betrachters und des Fahrers gleichermaßen. Im Idealfall werden der Mensch und die „Maschine“ - das Fahrrad - zu einer Einheit, die um so inniger sein wird, wenn das Rad der Anatomie des Fahrers und der Fahrerin „entgegenkommt“ und deren Muskelkraft möglichst direkt in Bewegung umwandelt.

image

Das StadtRAD und andere Fahrradverleihsysteme sieht sich ganz offenkundig nicht in einer ästhetischen Tradition. Im Gegenteil, man hat den Eindruck, dass die StadtRÄDER möglichst unvorteilhaft, um nicht zu sagen: potthässlich aussehen sollen. Sie sind wie viele Automobile unserer Zeit kühle Instrumente der Mobilität und führen zu, ja mir fällt kein passenderer Begriff ein - visueller Umweltbelastung, mehr noch: optischer Umweltverschmutzung. Keine vier Minuten kann der geneigte Hamburger und die verehrte Hamburgerin mehr flanieren, ohne ein  vorbeischleichendes StadtRAD zu sehen und vor allem ertragen zu müssen. Die durch das StadtRAD Hamburg betriebene „McDonaldisierung“ des Radfahrens ist eine Geißel unserer Zeit, macht sie doch die schöne und hehre Idee der Gleichheit zunichte, indem alle Akteure und Profiteure des Leihsystems gleichermaßen unvorteilhaft aussehen.

Doch nicht nur in ästhetischer Perspektive ist das StadtRAD eine Zumutung für den Freund und die Freundin traditioneller Werte und Formen. Wie sieht es denn mit den philosophischen und alltagskulturellen Implikationen und Folgekosten des StadtRAD-Kosums aus? Das StadtRAD ist ein Ding, ein unförmiges und potthässliches Ding, wenn ich mich ausnahmsweise einmal wiederholen darf, das dem Benutzer nicht gehört. Man braucht es nicht pflegen, man braucht die Kette nicht ölen, man braucht eigentlich gar nichts zu machen, außer ein- und ausloggen, vielleicht noch die Höhe des Sattels verstellen, der Rest wird dann heimlich, still und leise von städtischen Bediensteten verrichtet. Doch für welchen Preis! Ohne an dieser Stelle  das Hohelied des Eigentums singen zu wollen, mündet die VerStadtRADisierung des urbanen Raums direkt in der sozialen Verlotterung. Ich kann dies im Übrigen durchaus profund beurteilen, da ich direkt gegenüber einer StadtRad-Station mein Domizil habe. Was wird dort herumgezerrt, minutenlang genestelt, genervt und hasserfüllt um sich geblickt, diejenigen aggressiv gemustert, die sich gerade das letzte StadtRAD gesichert haben. Das lässt sich selbst von dem wortgewandtesten Schriftsteller kaum in Worte fassen. Ich habe sogar schon einen StadtRAD-User beobachten können, der wutentbrannt das unschuldige, unförmige Leihrad mit brutaler Gewalt zu Boden geschleudert hat, weil irgendetwas nicht fuktionierte. Kurzum: das öfffentliche StadtRAD birgt und produziert solch ein Aggressionspotential, das einem angst und bange werden kann. Dies kann nicht im Sinne des  Erfinders sein, der an Mobilität, Mobilität, Mobilität, …, Umweltschutz, Befriedung des öffentlichen Raumes und Förderung der persönlichen Gesundheit gedacht hat und doch nach Abwägung aller Vor- und Nachteile nachgerade das Gegenteil der eigentlichen Ziele erreicht.  
 
Welch starker Kontrast bildet der StadtRADfahrer doch zum begeisterten Fahrradfahrer im Besitz eines innig geliebten Rades. Das Fahrrad dient nicht nur der Fortbewegung von A nach B, die Besitzerin und der Besitzer bauen doch vielmehr eine emotionale Bindung zu ihrem Rad auf. Man war damit auf dem Kiez, im alten Elbtunnel, beim Volksparkstadion, auf dem Mont Ventoux, usw. und verbindet die Erinnerungen daran mit seinem Fahrrad. Dies ist eine Schule der zärtlichen Erinnerungsarbeit, der Demut, der Moral, ein Dienst an der Liebe. Das StadtRAD hingegen ist das genaue Gegenteil, lieblose Uniformität im Namen des Totschlagarguments der Mobilität. Ohne mich. Ich sage „nein“. Und wollte zumindest vor den Gefahren des StadtRADs gewarnt haben …

Hamburg, den 14. Januar 2015

Gazelle ‚Vintage Racer‘

Am Anfang war das Feuer. Und entfacht wurde es durch Anna. Anna ist von der Schweiz aus ans Nordkap, von dort nach Gibraltar und anschließend retour in die Schweiz gefahren. 14.116 km in fünf Monaten. Sie berichtete davon in einem ‚unterwegs‘ Heftchen des Deutschen Jugendherbergswerkes.

Damit war es um mich geschehen. So etwas wollte ich auch. Der Haken an der Sache, ich war erst dreizehn oder vierzehn Jahre alt, als ich dieses Heftchen in die Finger bekam. In den folgenden Jahren entwickelte sich aber alles auf dieses Ziel hin. Die erste dreiwöchige Radtour durch die Niederlande folgte mit fünfzehn und stellte den Auftakt zu zahlreichen Touren dar.

Im Winter 1983/84 wurde es dann allmählich ernst, die Aufregung nahm zu. Den Start für meine große Nordkap-Tour plante ich für Juni 1984, direkt nach der letzten Abitur Prüfung.

In den Wintermonaten verbrachte ich viel Zeit mit dem Studium von Straßenkarten sowie der Zusammenstellung der erforderlichen Ausrüstung. Aber was ist wirklich notwendig, wenn man erstmals zu einer Tour aufbricht, welche über 8.000 Kilometer bis nördlich des Polarkreises führt?

image                                                   Trollstigen 1984

Getreu des Grundsatzes ‚Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum‘, blieb jedenfalls genügend Raum für Abenteuer. Eben die nicht planbaren Ereignisse mit ungewissem Ausgang, die doch letztendlich das Salz in der Suppe des Reisenden darstellen. In diese Kategorie fällt auch das ‚Reservehinterrad‘…smile. Aber das ist eine spezielle Geschichte.

image                                               Polarkreis Norwegen, 1984

Absolut zweifelsfrei war jedoch die Wahl des Arbeitspferdes. Unverwüstliche Robustheit, Leichtigkeit und Leichtlauf waren die angestrebten Eigenschaften. Natürlich fiel die Wahl auf ein Stahlross. Gab es Mitte der achtziger Jahre eh kaum sinnvolle (und bezahlbare (Titan)) Alternativen, so ist Stahl auch heute noch meine bevorzugte Wahl für Fahrräder. Und zwar nicht nur für diesem Einsatzbereich.

Dennoch kostete mich der Rahmen damals gefühlt ein Vermögen. Er basierte allerdings auch auf dem legendären 531er Reynolds Rohrsatz. Erstklassig in Dieren (Niederlande) von Hand gelötet, handelte es sich um eine echte Gazelle. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mit der sogenannten ‚Semi Race‘ Geometrie brachte der Rahmen die positiven Eigenschaften von Randonneur- und Rennrad auf eine gemeinsame Spitze und wies auch bepackt ein super Handling auf. Auf diesen Rahmen war ich stolz wie Bolle.

Und er ist bis heute sein Geld wert. Komplettiert habe ich das Rad damals mit folgenden Komponenten :

Naben Campagnolo Record 40-Loch (Tandem)
Felgen Weinmann (konkav)
32mm Drahtreifen
Umwerfer/Schaltung Campagnolo Rally (langer Arm)
Tretlager / Kurbelgarnitur Specialité TA 3-fach 52/42/32
Zahnkranz Regina 6-fach (13-23 oder 25?)
Pedale Campagnolo Grand Sport
Bremsen Weinmann
Vorbau / Lenker 3ttt
Sattelstütze Camapagnolo Grand Sport
Sattel San Marco Concor
Gepäckträger und Lowrider Blackburn

Mit den Gepäckträgern war ich besonders zufrieden. Die Träger hatte ich bereits einige Jahre zuvor von Jim Jennigs aus Colorado erhalten. Wir sind uns mal irgendwo in den Alpen begegnet und einige Tage zusammen geradelt. Sein Rad war mit diesen Trägern ausgestattet und ich fand sie total genial. Da damals Blackburn Produkte in Europa meines Wissens nicht erhältlich waren, war seine Direktimporthilfe absolut großartig.

Letzen Endes war meine Reise Gazelle deutlich teurer als mein erstes Auto. Aber das ist ja auch völlig in Ordnung, sagt der Radreisende…smile.

image                                                   Nordkapp 1984

Unermüdlich hat mich meine Gazelle auf vielen Reisen durch diverse Länder getragen. Unbestreitbare Höhepunkte waren dabei die Nordkap Tour 1984 sowie die Trans Canada Tour 1985 (St.John’s, Newfoundland - Victoria, British Columbia ).

image Mile ‚0‘ St. Johns, Newfoundland, Trans Canada 1985 / Trans Canada 1985

Zuletzt ging es 2001 durch Irland, noch immer mit den originalen Komponenten. In den Jahren danach fristete die Gazelle eher ein Gnadenbrotdasein.

Im Herbst 2012 griffen dann wieder die Flammen nach mir. Zufällig geriet ich in den Funkenflug von Carina Wolfram. Sie berichtete über ihre Teilnahme an der L’Eroica in der Toskana. Sofort loderte es wild in mir. Da will ich hin. Da will ich mitfahren. Teil sein, der Hommage an die Helden der legenden- und ereignisreichen Geschichte des Radsportes, deren Anfänge in den Staub der Schotterstraßen geschrieben wurde. Die Erfüllung der technischen Voraussetzungen für die Teilnahme an der L’Erocia stellte kein Hindernis dar. Stahlrahmen (nicht jünger als von 1987), keine am Lenker verlegten Bremszüge, keine Klickpedale etc. All das erfüllte meine Gazelle aus dem Stand. Es war eine wahre Wonne, sie bis zur kleinsten Lagerkugel zu zerlegen und wieder aufzubauen. Und zwar mit den Originalkomponenten. Es ist schon eine Klasse für sich, wie gut zum Beispiel Campagnolo Konen nach der absolvierten Laufleistung erhalten sind.

image                                                   L’Eroica Toskana 2013

Die größere Schwierigkeit bereitete die Beschaffung eines passenden Wolltrikots. Wobei mit passend weniger die Größe, als vielmehr das Gesamterscheinungsbild gemeint ist. Schließlich fährt das Auge mit. Dank eines bekannten elektronischen Marktlatzes gelang mir jedoch der Erwerb eines absolut passenden Gazelle Trikots. - Auf in die Toskana! Da meine Gazelle es absolut nicht gewohnt war im Kurzstreckenbetrieb eingesetzt zu werden, musste es bei der L’Eroica 2013 natürlich die 205 km Runde sein… Und die hat die niederländische Antilope mit Bravour hinter sich gebracht. Die L’Eroica ist wirklich eine würdige Hommage an die Altvorderen und die weißen Schotterpisten der Toskana. Ein Kurs für Stahlräder und Stahlwaden. Only steel is real.

image                                           Finish, L’Eroica 2013 

L’Eroica Finisher können nur müde über die empfindsamen Seelen der Fahrer von HighTechNASA Rädern lächeln, die lautstarke Proteste vom Zaun brechen, sobald es bei einem Radmarathon mal über nicht gebügelte Straßen geht.

Bei der L’Eroica geht es natürlich ums Radeln, aber auch um entsprechende Räder. Gaiole ist L’Eroica. An den Tagen um das Event gibt es einen fantastischen Teilemarkt mit allerhand Originalitäten und Kuriositäten. Und das trifft sowohl für die Fahrräder, als auch für die Fahrer zu. Fantastisch. Nichts zu kaufen geht eigentlich nicht. Meine fetteste Beute sind ein Paar Schutz’bleche‘ aus Buchenholz von dem alten Meister Ghisallo.

Auf der langen Autofahrt nach Norddeutschland entsteht bereits im Geiste, quasi um die Schutzbleche herum, ein Neuaufbau meiner geschichtsträchtigen Gazelle. Als Reiserad hat sie nun endgültig ausgedient. Inspiriert durch die wunderbaren alten oder auf alt getrimmten Räder in Gaiole, steht mein Entwurf fest, als ich einen Zwischenstopp im Ruhrgebiet einlege. Ich nutze die Gunst der Stunde, zerlege die Gazelle und gebe den Rahmen zum Lackieren bei meinem Lieblingsrahmenbauer Günter Krautscheid ab. Sein neues Leben soll der Rahmen in British Racing Green beginnen. Mit einer gekonnten nass-in-nass Lackierung (erst schwarz, dann giftgrün) wird ein in höchstem Maße zufriedenstellender Oberflächenglanz erzielt.

Über den Winter komplettiere ich den Rahmen mit den folgenden Komponenten.

Vorbau, Lenker Cinelli
Lenker Walker Bar, Soma
Bremsen Tektro R559 (nicht stilecht, bremsen aber deutlich besser als die alten Weinmänner)
Bremsgriffe Tektro RX4.1
Lenkerband Leder, Brooks
Steuersatz Campagnolo Record
Sattelstütze Campagnolo
Sattel Brooks Swift
Naben Primato Pista fix, Miché
Felgen Mavic Open Pro
Drahtreifen Continental Super Sport Plus, 28mm
Kurbelgarnitur 1 1/8“ Primato Pista, Miché
Ritzel Edelstahl, Phil Wood
Kette 1 1/8“ Izumi, vernickelt (läuft super präzise, längt sich kaum, in der vernickelten Ausführung gut witterungsbeständig)

Das Resultat der Tüftelei und Schrauberei ist auf den Fotos zu sehen.

image

image                                                 Vintage Gazelle 2014

Für mich ist das Ergebnis ein ganz Besonderes. Die Geschichte des Rahmens ist untrennbar mit meiner persönlichen Geschichte verwoben. Und reflektiert nun im Stil eines Vintage Racers ein wenig auch die Geschichte des Radsportes.

image                                                 Kieler Tweed Run Trim 2014

Ich muss zugeben, dass die Vintage Gazelle nicht bei nassem Wetter zum Einsatz kommt. Dennoch ist sie kein Museumsstück. Neben speziellen Veranstaltungen (z.B. Tweed Run) muss sie im Sommer auch für die eine oder andere sportliche Ausfahrt herhalten. Dafür wird vorher ein 16er Ritzel montiert und mit einer 100er Trittfrequenz bleibt im hügeligen Schleswig-Holstein auch manch ein High-Tech-Bolide achteraus. Und dann ist es wieder da, dieses Feuer….

Links
http://www.grisocomodo.de/gazelle-l-eroica.html
http://www.grisocomodo.de/gazelle-vintage.html
http://www.grisocomodo.de/l-eroica-2013.html

image

Hamburg, den 1. Januar 2014 / Andreas T.

Bauer Damenrad (Mitte 1960er)

Dieses charmante, kleine Damenrad von Bauer aus der Mitte der 1960er Jahre vermachte uns kürzlich Miriam. Tausend Dank noch einmal dafür, Miriam! Wir nehmen es gerne in unsere im Aufbau befindliche Sammlung historischer Fahrräder auf. Das Rad ist bis auf die Rückleuchte und die Reifen im Originalzustand, hat 26-Zoll-Laufräder, einen Lederimitat-Sattel, schmale Lenkergriffe und eine schöne blaue Farbe.

Wir werden es demnächst einmal gründlich putzen und fetten, damit es in Zukunft wieder durch unsere Stadt rollen kann.

Hamburg, den 25. Dezember 2014 / Lars A.

SIF Standard Randonneur (frühe 1960er)

image

Auf Ebay Frankreich habe ich vor einem Jahr dieses Rad günstig erstanden. Bereits nach zwei Tagen wurde es per Post angeliefert. Die wenig bekannte Marke „SIF“ steht für Simon Industries Frères, benannt nach dem Produzenten Fernand Simon. Es ist ein einfaches, aber robustes Modell.

image

Die Farbe ist etwas „speziell“ - bei Magenverstimmungen ist von einem Anblick abzuraten, bei Sonnenschein leuchtet das Rad allerdings sehr schön und kraftvoll.

image

image

Alle Verschleißteile befanden sich in einem sehr guten Zustand. Das Rad ist original, bis auf:
- die Luftpumpe, die den Transport nicht  überlebte  
- den Originalsattel, der nicht wiederbelebt werden konnte
- die Klingel, die zu verrostet war
- Haken und Riemen, die ergänzt wurden

image

Restauraurierungsumfang:

- das Rad wurde komplett zerlegt
- Rahmen und Gepäcktäger wurden gereinigt und mit Owatrol behandelt
- sämtliche Lager, Schaltwerk, Umwerfer und Bremsen habe ich zerlegt, gereinigt und neu geschmiert
- alle Chromteile wurden mit Drahtbürsten und Stahlwolle  entrostet und poliert
- alle Aluteile wurden ebenfalls poliert
- die Laufräder habe ich zentriert
- eine Pedalachse wurde gerichtet
- Schutzbleche wurden ausgebeult
- zwei Nieten am Sattel wurden ersetzt
- einen Bremszug, die Kette und Kurbelkeile habe ich erneuert

image

image

Ausstattung:
- Schaltwerk und Hebelumwerfer: Simplex
- Bremsen: Mafac Cantilever
- Kurbeln: Solida
- Pedale: Lyotard
- Pedalhaken: Lapize
- Radnaben: Sifpres
- Felgen: Samir-Saminox
- Reifen: Michelin 650B Semi-Comfort
- Beleuchtung: Self Super
- Sattel: TB Racer

image

image

image

image

Die Reifen sind größtenteils immer noch mit südfranzösischer Luft gefüllt!  
 

Hamburg, den 18. November 2014 / Basti

„Elfe“ Halbrenner

image

An einem kalten Januartag stöberte ich mal wieder auf Ebay Kleinanzeigen nach Fahrrädern. Nicht, dass ich wirklich noch eines gebraucht hätte, aber man weiß ja nie, was einem begegnet…… Tatsächlich stolperte ich über eine Anzeige: Älteres Herrenrad, Marke Elfe, blau …….

„Elfe“?? Bemerkenswerter Name für ein Fahrrad, das machte mich neugierig. Ich rief an und konnte das Rad am selben Tag besichtigen. Also auf nach Quickborn. Was für ein hässliches Entlein stand da im Vorgarten! Total verbaut, viel Rost und der Lackierung sah man die Jahrzehnte rüdesten Alltagseinsatzes an. Aber dieser wunderbare Name in verschnörkelter Schrift und die schöne stahlblaue Rahmenfarbe! Die Lager hatten kein Spiel und der Rahmen war nicht verzogen. Das Entlein hatte Potential und nach zähen Verhandlungen war das „Elfe“ dann für 53,50 € mein.

Wie alt der Rahmen genau ist (wohl 40er bis frühe 60er Jahre) oder Hinweise über die Marke konnte ich noch nicht herausbekommen. Laut Steuerkopfschild – mit einer tanzenden Elfe! - ein Berliner Händler.

image

Ziemlich schnell hatte ich dann die Idee, die schlafende Schönheit in einen Halbrenner zu verwandeln.

image

Nach gründlicher Reinigung und Behandlung mit Owatrol habe ich bisher folgende Umbauten vorgenommen:

Die Laufräder neueren Datums tauschte ich gegen 60er Jahre Stahlfelgen mit einer 62er Torpedo 3-Gang Nabe hinten.

Neue Bereifung: Schwarze Continentalmäntel ohne Reflektorstreifen.

Alte Frontlampe vorn und klassisches 50er Jahre Rücklicht nebst altem Reflektor hinten.

image

Ein brauner Brooks ersetzt nun den ursprünglich vorhandenen modernen Gelsattel.

Den schönen alten Vorbau bekam ich von Nico.

Zuletzt habe ich den großartigen Soma „Lauterwasser“, Leihgabe von Lars, verbaut. Der sieht richtig klasse aus an dem Rad, den geb ich nicht wieder her.

image

Und als Nächstes? Andere, ältere Bremse - Lenkergriffe/Lenkerband – Sportpedale – größeres Kettenblatt – eleganteres Rücklicht – Gabelbrücke abschleifen - Dynamo….

Das Elfe wird sich weiter verändern, dies ist noch lange nicht der Endzustand.

image

Hamburg, den 5. November 2014 / Michael

Archiv

Custom Post Images

Stacks Image 1007
Stacks Image 1008
Stacks Image 1009
Stacks Image 1010
Stacks Image 1011
Stacks Image 1012
Stacks Image 1013

Mehr Blog-Seiten entdecken: